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13.03.2019

Unsere Innungsbesten: Die Chance genutzt

Gratulation an Lukas Gerth und Mojtaba Mohammadi (Ausbildungsbetrieb für beide: Eltrotec, Rodenabach)

In kaum einem Handwerk geht die Entwicklung dermaßen rasant vonstatten wie in der Elektrotechnik. Smarthomes, also Häuser deren Technik sich auch ferngesteuert per Handy einstellen lassen, werden immer komplexer. „Da ist es für den Installateur manchmal schwierig, Schritt zu halten, sagen Lukas Gerth und Mojtaba Mohammadi – zwei die sich in der Tat auf dem aktuellen Stand befinden und das gerade eindrucksvoll bewiesen haben. Sie sind frischgebackene Gesellen und haben ganz besondere Leistungen in ihren Prüfungen an den Tag gelegt: Lukas Gerth legte die beste Prüfung seines Jahrgangs ab. Und Mojtaba Mohammadi, der erst vor sechs Jahren ohne jedwede Kenntnis der deutschen Sprache nach Deutschland gekommen war, stach als bester Lehrling der sogenannten Winterprüfung hervor.  „Eine Leistung vor der ich meinen Hut ziehe“, sagt Markus Gerth, der Vater von Lukas. Der Hanauer Elektrikermeister ist zugleich auch Vorsitzender im Prüfungsausschuss der Elektriker-Innung. Die Zunft hatte im vergangenen Jahr Negativschlagzeilen gemacht, weil knapp die Hälfte aller Prüflinge durchgerasselt war. Und auch in diesem Jahr war die Durchfallquote mit 37 Prozent noch immer sehr hoch, „wenngleich schon ein Aufwärtstrend zu erkennen ist“, wie Gerth anmerkt. Immerhin 46 der 73 Prüflinge haben nun den Gesellenbrief in der Tasche. 

Die hohe Durchfallquote bei den Elektrikern offenbart zweierlei: Zum einen, dass das Handwerk zunehmend Probleme bekommt, qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen, wie Obermeister Walter Ebert jüngst bei der Freisprechungsfeier auf der Ronneburg bemängelte. Zum andern aber auch die steigenden Anforderungen des Gewerks, für die man nach Meinung von Elektromeister Gerth vor allem zwei Dinge braucht: Fleiß und Ehrgeiz und idealerweise auch eine gute Vorbildung.

Sein Sohn Lukas hat an der Karl-Rehbein-Schule in Hanau zunächst das Abitur gebaut, und wegen der guten schulischen Leistungen während der Ausbildung durfte er die Lehrzeit von dreieinhalb auf zwei Jahren verkürzen.  Nach dem Abi wusste Lukas Gerth zunächst einmal nicht, in welche Richtung es gehen sollte. „Zum Studium hatte ich damals keine Lust. Für mich war die Elektriker-Lehre deswegen erst einmal eine gute Grundlage, auf die ich aufbauen möchte“, sagt der 20-Jährige. Die Ausbildung hat er im Übrigen nicht im elterlichen Betrieb, sondern bei der Firma Eltrotec in Rodenbach absolviert, genau wie Mojtaba Mohammadi. „Uns war wichtig, dass er auch die Arbeitsweise anderer Unternehmen kennengelernt“, so Vater Markus. Nach der Lehre ist er dann im Familienbetrieb eingestiegen. Die Firma Gerth sitzt im Industriegebiet Hanau Nord, beschäftigt neben Lukas fünf weitere Monteure und drei Auszubildende.  Ganz andere Voraussetzungen hatte Mojtaba Mohammadi. Der mittlerweile 24-Jährige betrieb mit seinem Vater einen kleinen Schweißerbetrieb in Afghanistan. In der Stadt Kandahar, wo auch die Bundeswehr seit vielen Jahren stationiert ist, habe man vor allem viele Arbeiten für staatliche Auftraggeber ausgeführt, was den islamistischen Taliban nicht gefiel. Die Familie wurde bedroht, musste fliehen. Mit Hilfe von Schleusern erreichten Mojtaba, sein Vater und zwei Schwestern über die Türkei und Griechenland dann Deutschland, nachdem sie den Menschenschmugglern pro Person jeweils 4000 Euro bezahlt hatten. Seine Mutter und sein kleiner Bruder kamen ein Jahr später auf der gleichen Route ums Leben, weil das überfüllte Flüchtlingsboot vor der griechischen Küste kenterte. Mohammadi musste in Deutschland ganz neu anfangen. „Die Lehrstelle war für mich ein Glücksfall“ erzählt er. 

Gerth und Mohammadi mögen ihren Beruf, schätzen die Vielseitigkeit und auch die Entwicklungschancen, die das Elektrikerhandwerk ihnen bietet. „Ihnen stehen alle Wege offen“, sagt Elektromeister Markus Gerth: Handwerk, Industrie und auch der Großhandel. Sein Sohn hat sich zunächst für einen ganz anderen Weg entschieden. Er möchte ab dem Sommer eine weitere Leidenschaft zum Beruf machen und in Frankfurt ein Studium zum Musikproduzenten beginnen. Dem Elektrohandwerk will er dennoch treu bleiben. „In der Firma kann ich mir die Ausbildung finanzieren“. Und auch das sei klar, bemerkt Vater Markus: Die Türen des Familienbetriebes stünden ihm weiter offen. Denn die Ausbildung habe er und die können ihm keiner mehr nehmen.“

Mojtaba Mohammadi hingegen will im Elektrohandwerk nicht stehen bleiben und sich weiter qualifizieren. Sein Ziel ist es, irgendwann auch die Meisterprüfung zu bestehen – wenn er genügend Erfahrung als Geselle gesammelt und auch Geld für die Ausbildung erwirtschaftet hat. „Der Junge geht seinen Weg, da bin ich mir ziemlich sicher“, meint Elektromeister Gerth. Für beide Gesellen hat sich das Handwerk bereits als der sprichwörtliche goldene Boden erwiesen.

Quelle: KH Hanau

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